Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 31

Kriegsverletzungen

Eine alte Redensart besagt: „Wer austeilt, muss auch einstecken können.“
Ein Spruch, den sich mein Müdi mal zu Herzen nehmen sollte, wie ich finde. Von Geschichten darüber, wie und dass er gut austeilen kann, könnte ich neben den hier schon verarbeiteten Anekdoten wahrscheinlich stapelweise Bücher zu Papier bringen. Dass er nicht einstecken kann, kann sich jeder, der diesen Blog verfolgt oder meinen Müdi kennt, sicherlich schon selber denken. Auch wenn mein Tier seine Artgenossen grundsätzlich gut in Angst und Schrecken versetzten kann, so kommt es eben auch zu Situationen, in denen das Monstertier den Kürzeren zieht und die Konsequenzen seines nicht immer so höflichen Verhaltens tragen muss. Aus Unvermögen oder vielleicht auch aus Schlitzohrigkeit ist er allerdings, wie wäre es anders zu erwarten, in der Lage derlei Situationen, gewinnbringend für sich einzusetzen.

Unvergessen bleibt mir in diesem Kontext die Auseinandersetzung zwischen Wilson und einem Gasthund während eines Spaßwerks im letzten Jahr. Aus einem uns unbekannten Grund kam es zu einer kurzen Auseinandersetzung, für die ich selbstredend das Müdi tadelte, denn, wenn man ihn in derlei Situationen zur Verantwortung zieht, trifft es in der Regel niemals den Falschen. Das Intermezzo war kurz, laut, und nachdem beide Beteiligten auf Wunden abgetastet wurden, schnell vergessen, sodass wir beschwingt weiter spaßwerkeln konnten. Müdi selbst allerdings war außerstande auch nur annähernd fröhlich zu sein. Schwer leidend, geknickt und dann und wann wimmernd schlurfte er hinter unserer Gruppe her. Er hatte das Duell nämlich haushoch verloren und musste mit dieser Niederlage erst mal umgehen.

Zuhause angekommen überdeckte zunächst die Routine die Vorkommnisse des Vormittags, denn und nun kommt eine Müdigedankenblase: „Wenn man nach Hause kommt, dann gibt es immer Essen! Die vergisst das einfach dauernd. Muss ich sie mal wieder erinnern, am besten lege ich mich taktisch günstig nah an den Futternapf und unpassend in den Weg…wie kann sie nur und das nach meiner Peinigung heute!“ Das Müdi schlug somit sein Lager wie gewohnt vor dem Napf auf und forderte Futter, ich ignorierte wie gewohnt sein Verhalten und legte das Essen zum Auftauen in den Kühlschrank. Gibt bei uns schließlich immer erst abends was, und eben nicht mitten am Tag, wenn der Müdi das auch noch so gerne hätte. 1 zu 0 für den Menschen, mit der Macht über die Gefriertruhe.

Leider musste ich jedoch kurze Zeit später feststellen, dass Wilsons Gewimmer in der Hundegruppe vielleicht doch nicht so ganz grundlos gewesen war. Der Bereich um den Wassernapf wurde nämlich nach einiger Zeit durch Blutspuren geziert. Eine zertretene Zecke konnte ich nirgends finden, daher hieß es noch mal: Hund abtasten! Dabei stieß ich dann auf bzw. in eine nicht unerhebliche Wunde am Hals des Prinzen. Da hatte sein Kontrahent ihn wohl doch gelocht. Ein paar Telefonanrufe später, reinigte ich die Wunde und beließ es dabei, denn an sich sah die Verletzung weder gefährlich aus, noch machte das Müdi die Anstalten großartig zu leiden. Damit war die Angelegenheit für mich zunächst abgehakt. Aber der Verlust seines Gesichts als Verlierer im Ring, meine Nichtachtung seiner Forderung nach genügend Wiedergutmach-Nahrung und eine Wunde in gewisser Größe hätten mich ahnen lassen sollen, dass es nicht dabei bleiben sollte…

Was folgte, war schließlich ein Drama sondergleichen, im Rahmen dessen das Müdi es schaffte, das Löchlein am Hals zu einer ausgemachten, lebensbedrohlichen Fleischwunde hochzustilisieren. So machte es ihm besagte Wunde unmöglich allein in seinem Körbchen zu schlafen, was zur Folge hatte, dass ich mit ihm auf unserem winzigen Sofa nächtigte und ihn in den Schlaf wog. Immer darauf bedacht, dass sein Köpfchen bequem gebettet war, damit ja auch seine Wunde nicht mit Decken und Kissen weiter gereizt werden würde. Der große Schmerz am Hals machte es Wilson selbstverständlich unmöglich eine Leine zu tragen, und da ich zudem eine Infizierung der Stelle durch Schlamm und Dreck befürchtete, strich ich selbstredend die ausgedehnten Gassirunden. Als das Wochenende voran schritt und die Übergabe meines Tierchens in die Wochenbetreuung zu Sonja näher rückte, folgte der Höhepunkt: Das Müdi hörte auf zu essen.

Jede Alarmglocke in mir fing an zu läuten: Das Müdi isst nicht. Die Wunde, welche von Stunde zu Stunde fieser aussah (ja auch für mich), hinderte ihn womöglich am Schlucken. Es gab somit keine Wahl, als zum Tierarzt zu fahren. An einem Sonntag natürlich – wann auch sonst…

Auf dem Behandlungstisch lieferte sich das Tier einen derartigen Ringkampf mit mir, dass meinen Brustkorb noch tagelang blaue Flecke zierten. Der Rückschluss war nahe liegend, dass er eine böse entzündete Wunde haben musste. Als es der Ärztin schließlich jedoch gelange einen Blick auf die Stelle zu werfen, wunderte sie sich sehr über Wilsons Verhalten (sie kannte ihn schließlich auch nicht so gut wie ich, die fassungslos über die eigene Naivität, mal wieder von ihrem Hund an der Nase herumgeführt worden war). SO schlimm war die Wunde nämlich gar nicht, sondern sie schien sehr gut zu verheilen.

Mit der Versicherung der Tierärztin, dass alles absolut unbedenklich sei, brachte ich ihn dann zu Sonja. Das Tier tief bedrückt und leidend. Der war vielleicht enttäuscht, dass die Tierärztin ihn enttarnt hatte. Richtig doof gelaufen für ihn.

Bei Sonja angekommen, fraß Herr Wilson selbstredend zunächst sein Abendbrot und legte sich dann zufrieden schnarchend aufs Sofa. Hatte ja ein anstrengendes Wochenende in der Rolle als sterbender Schwan hinter sich, von dem er sich erst mal erholen musste. Und da fragt sich noch einer, warum ich ihn manchmal verfluche?

Autor: Mira Weidhaas

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