Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 29

Ein Bett für den Prinzen

Wie bereits in Ein Müdi auf der Erbse angeteasert, hatte ich zuletzt eine neue Idee zur Lösung meines beziehungsweise Müdis Problem mit der alltäglichen Schlafstätte ersonnen. Es sollte zu einem letzten Versuch kommen, die Abneigung meines Tieres gegen jede noch so ergonomisch ausgeklügelte, bequeme, teure und hundetypische Schlafgelegenheit in Form von Körbchen, Kissen oder Matten zu begegnen und dem kleinen Prinzen eine Stätte zu bereiten, die seiner würdig ist. Die für einen Müdi selbstverständlich zu erfüllenden Ansprüche an einen derartigen Rückzugsort sind aufgrund meiner achteinhalbjährigen Erfahrung nahe liegend. Das Objekt muss ein hohes Maß an Bequemlichkeit aufweisen, wobei das adelige Gesäß im Optimalfall durch entsprechende Federung niemals in direkten Kontakt zum Boden gerät. Dabei sollte auch der Komfort nicht zu kurz kommen, denn weder zu kleine Körbchen (in denen er sich nicht adäquat strecken kann und sein Moorhuhn keinen eigenen Schlafplatz erhält), noch zu große Körbchen (denen das nötige Maß an höhlenartiger Kuscheligkeit abgeht) kommen infrage. Zudem steht selbstredend die möglichst maximale Nähe zum Menschen auf dem Wunschzettel. Dies bedeutet, das Bett der Träume sollte so hoch sein, dass es zwar niemals anstrengend ist hinaufzuspringen, das Bäuchlein aber jederzeit durch die auf dem Sofa sitzenden Bediensteten bequem gestreichelt werden können. Ergänzt man diese Wunschliste des Vierbeiners durch meinen bescheidenden Anspruch an die Optik, ist es nahe liegend, dass das Objekt der Begierde schwerlich im herkömmlichen Handel zu erwerben ist.

Daher hieß es also, selbst sind die ‚glücklichen‘ Müdibesitzer. Ein kleines, maßgeschneidertes, handwerkliches Projekt vom Ahnungslosen und mir für den kleinen anspruchsvollen Prinzen musste her. Nach umfangreicher Sondierung der müdischen Ansprüche und intensiver Recherche im Internet stand schließlich der Masterplan, der so einfach wie genial war: Wir beschlossen dem Müdi schlicht ein echtes, dem des Menschen zum Verwechseln ähnlich sehendes Bett zu bauen, aber eben eines in Hundegröße!

 

Als Grundmaterial für den Bettkasten diente uns eine geölte Fichtenholzplatte (fügt sich optisch hervorragend in die Wohnlandschaft ein) aus dem Baumarkt, welche ursprünglich als Tischplatte fungieren sollte. Diese ließen wir uns entsprechend unserer Berechnungen zuschneiden und konstruierten einen Kasten mit den Maßen 120×60 cm. Diese Fläche bietet ausreichend Platz für Hund und Moorhuhn und entsprechenden Raum für eine maximale Streckung des Tieres. Aus Dachlatten erstellten wir ein Lattenrost, das sich bequem in den gefertigten Bettkasten einfügen ließ und bestückt mit einer Babymatratze in den Maßen 120×60 cm die nötige Bequemlichkeit und Stabilität liefert. Zudem bietet die Matratze uns Menschen den Vorteil, sie mit Gummiunterlage und Spannbettlaken zu beziehen und sehr gut reinigen zu können. Um die gewünschte Geborgenheit zu erzeugen, wurde zusätzlich eine Umrahmung des Bettkastens in gleicher Höhe gebaut, die zwar eher einem Kinderbett nahe kommt, allerdings eine gewisse Abgeschlossenheit nach außen erzeugt und ausstaffiert mit Kissen den geforderten Komfort liefern kann. Die entsprechend den oben geschilderten Vorstellungen der Höhe, realisierten wir durch die Füße des Bettes.

Der Bau und die Konstruktion waren technisch zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, erforderten allerdings dennoch etwas Zeit und Mühe. Besonders die Rechenarbeit bezüglich der Maße von Einzelteilen war dann und wann eine Herausforderung. Preislich muss ich allerdings sagen liegt das Do-it-Yourself-Müdibett durchaus im Rahmen und unterbietet so manches kommerzielle Produkt. WilsonBett4

Ich habe nun einige Wochen ins Land streichen lassen, um auch berichten zu können, inwieweit das Müdi dieses neue Objekt annimmt. Was denkt ihr? – Wenn man die Wahl zwischen Thron und liebevoll erbautem Bettchen der Besitzerin hat. Was wird Hund wohl wählen? – Genau, den Thron, wobei das vielleicht nur für die Prinzen unter unseren Vierbeinern gilt. Das neue Bett stand jedenfalls fünf Wochen in unserem Wohnzimmer, fügte sich hervorragend in das Interieur ein und wurde vom Müdi mit Nichtachtung gestraft. Interessant ist allerdings, dass ich sobald das Tier alleine zuhause war, verdächtige Nutzungsspuren auf dem kleinen Bettchen vorfinden konnte. Hatte es seinen neuen Platz also heimlich doch lieb gewonnen und war nur zu stur, um es offen vor mir zuzugeben?! Obwohl ich ihm eine derartige Reaktion durchaus zutraue, wurde bald klar, dass die konsequente Nutzung in meiner Abwesenheit anders motiviert war. Wie sich herausstellte, bot das Bett nämlich das perfekte Podest, um auf den Hinterpfoten stehend aus dem Fenster zu sehen und vorwurfsvoll meine Rückkehr zu erwarten. Daher – so meine Theorie – campierte er wohl auf dem neuen Lager, um bei entsprechendem Geräusch vor der Tür, durch das Fenster die Lage zu sondieren. Schön, dass es ihm wenigstens dadurch etwas nutzen konnte.

Ich habe nun offiziell aufgegeben. Er soll auf seinem Kissen oder auf seinem Thron weiterschlafen. Weder Geld, Schweiß noch Mühen werde ich weiter investieren und mir geflissentlich weiter die verwunderten Fragen meiner Besucher anhören, die das kümmerliche Kopfkissen in der Ecke des Wohnzimmers ansehen und bestürzt fragen, ob der arme Hund denn kein richtiges Bettchen habe.

Das Designerteil Marke Eigenbau musste jedenfalls weichen, denn mit seinen Maßen hat es zu viel Platz weggenommen, um lediglich als Leiter für den Müdi zu fungieren, auch wenn dieser das ganz anders sah. Den Umzug des Bettchens fand der nämlich so gar nicht lustig. Aber das ist eine andere Geschichte…

Autor: Mira Weidhaas

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