Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 28

Ein Müdi und die Zeitumstellung

Ein Jahr ist es nun her, dass das Müdi on air gegangen ist und ich als Haus-und Hofdame des schwarz-weißen Prinzen die Ehre habe, seine Geschichten aufzuschreiben und hier zu teilen. Niemals hätte ich gedacht, dass es so viel zu erzählen gibt, sich so viele Blogeinträge mit seinen Marotten, die meine Geduld und Nerven dann und wann auf die Probe stellen, füllen lassen und über die letzten 12 Monate während des Schreibprozesses sogar die ein oder anderen liebenswerten Eigenschaften meines Hundes in den geteilten Geschichten erfasst werden konnten. Unweigerlich stellt sich nun also die Frage, ob die Annalen des Müdi nicht langsam abgefasst, und die Erzählung über diesen müden Anti-Aussie beendet sind. Nun ja, was soll ich sagen? Parallel zu den Ereignissen der letzten nunmehr acht Jahre, die ich hier 14-tägig teilen darf, existiert der Hund ja weiter und produziert dabei ganz unwillkürlich aber mit Sicherheit berechnet – er liebt halt seinen fame im HundeWerk.net – unendlich viele, neue Geschichten, die mir den Inhalt der nächsten 24 Blogeinträge schon längst gesichert haben. Also: Dranbleiben lohnt sich, wir sind noch lange nicht am Ende.

Aus aktuellem Anlass also ein paar Worte zum Herbst: Nun ist die Winterzeit und somit das letzte Sechstel des Jahres angebrochen. Am vergangenen Sonntag wurden die Uhren eine Stunde zurückgestellt, es wird wirklich und merklich Herbst. Neben sinkenden Temperaturen und nassem Schmuddelwetter ist es die mit fortschreitenden Kalenderwochen früher einsetzende Dunkelheit, die uns daran nicht mehr zweifeln lässt. Für jeden Hundebesitzer beginnt damit die Zeit der Regenhosen, Fleecepullover und Gummistiefel. Jahr für Jahr wappnen wir uns besser gegen die Witterung und versuchen uns und den Vierbeinern die kalte Jahreszeit und die damit verbundenen eher ungemütlichen Spaziergänge mit entsprechendem Equipment, so angenehm wie möglich zu machen. Ein kleiner Vorteil dieser Zeit, zumindest für eher misanthropisch veranlagte Geschöpfe wie das Müdi und mich, ist, dass der Wald nun wieder vornehmlich uns gehört. Kaum eine andere Seele verschlägt es bei Wind und Wetter in die von Tag zu Tag karger anmutende Natur. Niemand will bei Regen und erstem Frost sein heimisches Sofa und die prasselnden Kaminfeuer verlassen, dabei kann so ein Herbstspaziergang bei Totenstille in leer gefegtem Wald auch bei schlechtestem Wetter etwas für sich haben. Natürlich nur, wenn man mich fragt, was Hund ja nicht tut. Einem Müdi sind derlei Ausflüge selbstverständlich zuwider – dazu muss es allerdings bekanntlich nicht zwingend Herbst sein. Geht ja um die Bewegung an sich, da ist das Wetter egal.

Ganz und gar nicht egal ist jedoch der eingangs erwähnte Aspekt Dunkelheit und die immer kürzer werdenden Tage, welche eben auch Kennzeichen der kalten Jahreszeit sind. Dafür mag mancher auch Rüstzeug gefunden haben. Wozu gibt es schließlich Leuchthalsbänder, Warnwesten, Stirn- und Taschenlampen? Genau eben für Spaziergänge auch außerhalb der wenigen Tageslichtstunden, die uns Herbst und Winter bescheren. Zwar nicht ideal aber funktional und alltagstauglich möge man meinen. Da spielt das Müdi allerdings nicht mit. Denn und dies ist ein weiterer Unterpunkt auf der Müdi-Bedienungsanleitung: Dunkelheit ist böse und ein nicht berechenbarer Feind, dem man ähnlich wie der gemeinen Klette besser aus dem Weg gehen sollte. In seinem Verhalten ist er dabei selbstredend gewohnt ambivalent. Sein grünes (ich denke, es liegt an der Farbe, man denke an den Bademantel) Leuchthalsband ist nämlich eines seiner liebsten Gadgets. Holt man es hervor, hüpft das Müdi vergnügt umher und kann es kaum erwarten das Schmuckstück angelegt zu bekommen. Tritt man dann jedoch mit ihm in die Dämmerung oder noch schlimmer in die Dunkelheit eines Herbstabends, ist der Herr so gar nicht erfreut. Gekennzeichnet ist sein Verhalten dann durch den geduckten Müdigang, bevorzugt nah an meinem Bein oder aber noch viel lieber zwischen zwei Menschen. Jede fremde Bewegung wird durch Grollen und Knuffen kommentiert und ist man nicht vorbereitet, kann ein Müdi auch schon mal nach vorne schnellen und entsprechend ahnungslose Passanten verbellen. Ich mag mir nicht vorstellen, was passiert, wenn man mal ohne Leine im dunklen Wald auf andere Gassigänger trifft. Daraus ergibt sich also, dass Herbst und Winter eine besondere Herausforderung für die Besitzer eines Müdis darstellen, denn die Tage werden SEHR kurz, wenn man den Anspruch hat, dass sich das Tier a: löst und sich b: auch einigermaßen auslastet.

Eine für Müdi zumutbare und für den Halter dadurch einigermaßen erträgliche Auslaufzeit beschränkt sich also auf die durch Licht gekennzeichneten Stunden und somit im Härtefall auf 7,5 h am Tag. Wobei die Dunkelheit des Abends weitaus bedrohlicher zu sein scheint als die an einem anbrechenden Tag, wodurch Gassirunden in der Morgendämmerung teilweise möglich erscheinen. Diese Tatsache macht mir die Aussicht auf die nächsten Monate weniger erquicklich, ist man in der Gestaltung des Tages doch sehr eingeschränkt. Außerdem ist der Gedanke daran, dass ein Tier auf 24 Stunden lediglich ein Zeitfenster von maximal 7 Stunden zur Verrichtung der Notdurft nutzt, gruselig. Dieser Feind mit Namen Dunkelheit ist jedenfalls mächtig genug, dem Herrn im Garten oder innerhalb der Nachbarschaftsrunde ein Sich-Lösen unmöglich zu machen. Somit heißt es die nächsten Monate wieder: Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeiten checken, Wecker stellen und in den Wald sprinten, um so die wenigen Tageslichtstunden der Winterzeit maximal zu nutzen.

 

Autor: Mira Weidhaas

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