Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 24

Der Müdi und der Ahnungslose (Teil 2)

Was macht diese ersten Treffen mit diesen speziellen Menschen und dem Müdi eigentlich so anstrengend? Manch einer mag vielleicht vermuten, das Müdi könnte bedingt durch sein Territorialverhalten, welches ich stets und ständig bekämpfen muss, mürrisch und ungehalten auf den Eindringling reagieren. Eine unangenehme Vorstellung ist das, wenn Mann das Tier kennen lernt und es ihn knurrend und fauchend in Empfang nimmt, jeden seiner Schritte beim Besuch meiner Wohnung kontrolliert und ihm durch sein andauerndes Geknuffe den Mund verbietet. Alles schon passiert, alles gewöhnlich – im Normalfall jedenfalls.

Dieses Mal sollte es aber anders laufen. Eine spezielle Situation, denn abgesehen von einigen kurzen Müdigeschichten, blieb die Vorbereitung auf ein erstes Treffen mit dem Tier fast gänzlich aus. Es war nämlich spontan. Etwas was mein kleiner Autist ja so gar nicht haben kann. Wie kann die unvorbereitet einen fremden Mann nach Hause bringen? Macht die doch sonst nicht! Kann ich nicht ertragen!
Muss beißen! Für mich damals eine logische Schlussfolgerung dieses routinebesessenen Tieres, das zu Hause auf mich wartete, während ich den Mann traf. Selbstverständlich hatte ich es bisher vermieden diesen beim Müdi überhaupt anzusprechen, hatte ja alles noch Zeit, so dachte ich. Warum also das Tier in Aufruhe versetzen?

Als besagte Verabredung allerdings wirklich gut lief und ich sie dennoch gerade beenden wollte, da ein Müdi ja irgendwann auch mal raus muss und ich es nicht gerne länger als einige Stunden alleine lasse, kam der lebensverändernde Vorschlag. Man könne die Hunderunde ja auch einfach gemeinsam gehen. Ist ja ‚nur‘ ein Hund und kein Grund das Treffen zu beenden, sondern könne integriert werden. Gehört schließlich zum Leben dazu und spazieren ist ja abgesehen davon auch schön. Wenn der Mann damals gewusst hätte, wie viel Stress mir diese Aussage bereitet hat und wie ahnungslos er allein bei der Vorstellung eine dem Müdi aufoktroyierte Nachmittagsrunde könne schön sein doch war… Aber es lief ja so gut und in Anbetracht dessen, dass ich mich nicht von den Vorlieben meines Hundes und dessen Routinen steuern lassen wollte, stimmte ich todesmutig (unter einigen Bedingungen) zu.

Es folgte somit die Kurzeinweisung: Ein gewisser Vorsprung zur Vorbereitung des Hundes ist nötig, er ist nicht so ganz einfach, was Neues jedweder Art in seinem Reich angeht. Wenn die Wohnung schließlich betreten wird, IGNORIEREN! Das heißt, nicht ansprechen, nicht angucken, nicht anfassen. Könnte sein, dass das Tier sonst fies wird. Ich kümmere mich um alles, eigentlich hört er ja sehr gut (bei diesem Ausspruch musste ich mir unweigerlich auf die Zunge beißen, das ‚eigentlich‘ sollte nach meiner jahrelangen Hundewerk.net Erfahrung ja eigentlich aus meinem Wortschatz verschwunden sein. Peinlich, peinlich…). Wahrscheinlich bellt er dich an, aber das heißt nicht, dass er dich beißen wird (hoffentlich). Wenn er sich beruhigt hat, ist alles gut. Wenn verständlicherweise Angst aufkommen sollte, einfach Bescheid geben, dann sperre ich ihn weg (und wir werden uns nie wiedersehen). Ansonsten ist nichts zu beachten. – Dass der Ahnungslose nach diesem Vortrag dennoch mitgekommen ist, sei ihm an dieser Stelle hoch angerechnet. Man könnte fast meinen, ich sei irrer als mein Tier, vielleicht habe ich es ja deswegen auch verdient…

In der Wohnung angekommen, schaute ich dem Herrn Müdi einmal tief in die Augen, versprach ihm die Aussicht aufs Heim, wenn er das Treffen versauen und kein Benehmen zeigen sollte, und nagelte ihn in einer Ecke fest. Mit Betreten der Wohnung vom Mann, dem Auflösen des Kommandos vom Hund und nach einer kurzen Bellattacke, wurde es dann still. Das Tier startete die Begutachtung und der Ahnungslose hielt sich vorbildlich an die 3-A-Anweisung. Ein prüfender Müdiblick in meine Richtung, ob ich die Heimsache auch wirklich ernst meine, ein Ächzten und das Müde rutschte am Bein des Mannes angelehnt herab, vollzog währenddessen eine Drehung und landete rücklings, sich räkelnd auf dessen Füßen. Nach einigen Sekunden der Verwirrung auf der Seite des Mannes kam die unweigerliche Frage, was das denn jetzt heißen solle. Nun ja, das ist Wilsons subtile Art zu sagen: „Kraul meinen Bauch, Untertan“. „Dann scheint der ja echt schlimm aggressiv zu sein…“.

Hier erklärt sich nun die Bezeichnung ‚der Ahnungslose‘. Seine Schlussfolgerung ist an dieser Stelle natürlich logisch. Mira übervorsichtig, Müdi ein verkannter Schmusehund, der aufgrund weniger typisch hündischer Verhaltensweise von seiner bösen Besitzerin denunziert wird. Er kann nur nicht wissen, dass dieses Verhalten reine Taktik des Tieres ist, denn und an dieser Stelle verrate ich ein kleines müdisches Geheimnis: Eigentlich ist Herr Wilson seit den Ereignissen des Beitrags Müdi der Trennungshund auf der unbedingten Suche nach einer männlichen Bezugsperson. Findet er nämlich viel cooler diese Männer. Dahinter steckt eine einfache Logik: Frauen machen erfahrungsgemäß immer nur Stress, fordern Gehorsamkeit ein und sind streng. Männer hingegen sind ihm eher als Futterspender, Spielgefährten und Schmusepartner bekannt. So was mag das Müdi und so was hätte es gerne für sich selbst. Wenn es etwas unbedingt will, weiß das Tierchen sich dafür auf peinlichste Art und Weise anzubiedern. Das kann von ahnungslosen Mitmenschen natürlich als ernst gemeinte Zuneigung fehlinterpretiert werden. Aber was soll man sagen, dem Hund gefällt der neue Mann und wie es so scheint, erzeugt diese neue Beziehung im müdischen Leben sehr viel Potential für weitere Blogbeiträge, was wiederum sehr gut für mich ist.
Darf also erstmal bleiben der Ahnungslose, finde ich und viel wichtiger natürlich findet auch Müdi. Gut, dass es vorher nicht wusste, dass so Männer nicht zwingend ahnungslos bleiben müssen…

Ein Gedanke zu “Wilson – Der AntiAussie – Teil 24

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