Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 23

Das Müdi und der Ahnungslose (1)

Neue Menschen in unser Leben zu lassen ist eine Herausforderung. Für Mensch und Hund, da nehme ich mich nicht heraus. Schon einen konventionellen Besucher in unsere Wohngemeinschaft einzuladen ist, wie schon berichtet (Das Müdi, der Besuch und ich), purer Stress für uns. Selbstverständlich also, dass das Kennenlernen von Menschen, die eine besondere Bedeutung haben und vielleicht auch längeren und intensiveren Kontakt mit uns beabsichtigen, so eine Sache für sich ist.

Derlei Menschen dürfen mein Tier daher auch immer erst dann kennenlernen, wenn es sicher ist, dass es sich „lohnt“, d.h. wenn abzusehen ist, dass sie auch länger bleiben. Denn eigentlich sollte ich, als alleinerziehende Hundemutter, die Entscheidung treffen, ob sich der Stress der Begegnung und eine potenzielle Gewöhnung an einen neuen Handlungsträger in unserer Geschichte wirklich lohnen. Das Verständnis dafür ist allerdings erfahrungsgemäß beim Kennenlernen eines Hundes eher gering – die kennen eben das Müdi alle nicht…. Naja, ab einem gewissen Punkt, das sehe ich ja selbst ein, ist es dann doch unvermeidlich Herrn Müdi zu offenbaren, denn er gehört nun einmal zu mir im Paket mit dazu und betreffende Person muss ihn mögen und zu nehmen wissen. Viel wichtiger noch das Müdi muss den neuen Menschen mögen und zu nehmen wissen. Denn erst, wenn das müdische Urteil gefallen ist, können wir überlegen, wie die Sache weitergeht. Also das Müdi und ich.

Der Weg bis zu Tag X der Vorstellung ist jedoch nicht kurz und der Betreffende hat bis dahin schon einige Hürden nehmen müssen. Genannt seien darunter der Ausschluss einer Allergie gegen Tierhaare (ein Müdi ist ein unsäglicher Fussel- Produzent), der Besitz von eigenen Hunden (ich habe schon genug mit einem Müdi zutun und fürchte, das Kennenlernen eines neuen Geschwisterchens und die Eröffnung einer Patchwork-Familie würde die Kapazitäten des Blogs und des müdischen Nervenkostüms sprengen), oder gar anderer Kleintiere (diese könnte das Müdi irgendwann bei Hunger und/oder Langeweile verspeisen) sowie allgemeine Kompatibilität und Offenheit ungewöhnlichen Geschöpfen gegenüber (wer diesen Blog verfolgt, sollte wissen warum). Hat betreffender Mensch es bis hier hin geschafft, ist er sich selbstverständlich nicht darüber bewusst, welch enorme Ehre ihm zuteil wird, wenn ich mich dazu entscheiden sollte, ihm den leibhaftigen Müdi vorzustellen. Ganz zu schweigen davon, wie viel Gewicht dieses Zusammentreffen für das Fortbestehen des Kontakts zu mir oder seiner Illusion über das schöne beschauliche Zusammenleben mit einem Hund hat.

Die erste Begegnung wird daher selbstverständlich gut vorbereitet. Teilt man sein Leben mit einem Müdi, ist es unvermeidlich, dass dieses Geschöpf in nahezu jedem Gespräch Erwähnung findet und praktischerweise wird entsprechender Mensch so schon früh auf die Unzulänglichkeiten aber selbstredend auch auf die Vorzüge dieses Wesens vorbereitet (wobei ich ehrlicherweise mit den Vorzügen geize, ist ja auch schön, wenn man nach dem ersten Schock des Kennenlernens auch noch positiv überrascht werden kann). Zuträglich für die Sache ist es, dass ich diesen Blog schreibe, dann geht Werbung für das Hundewerk.net (jeder hat ja einen Hund im Umfeld, der noch was lernen kann) und eine einführende Lektüre getreu dem Motto „Das Müdi 1.0.“ Hand in Hand. Außerdem kann ich mich selbst sehr gut an wichtigen, erwähnenswerten Geschichten zu potenziell immer wieder auftretenden Peinlichkeiten des Tieres orientieren und darauf hinweisen, bevor es mich an Tag X blamiert.

Eine solche erste Begegnung kann allerdings, mag sie noch so gut vorbereitet sein, immer peinlich enden. Bei Männern kann Herr Wilson nämlich dann und wann schon mal sehr unangenehm werden, vor allem bei solchen, die ich leiden kann.

Vielleicht weil er Angst hat, nicht mehr der wichtigste Kerl in meinem Leben zu sein? Weil er sein Sofa nicht teilen mag? Weil so Männer es ja auch auf sein Essen abgesehen haben könnten? Weil er fürchtet, bei sportlicher Statur des Mannes, die Anzahl der Ausflüge in freier Natur könnte sich erhöhen? Oder gar glaubt, nicht mehr der Mittelpunkt der vielen Blogeinträge, die ihm mittlerweile einen gewissen Ruhm im Hundewerk.net eingebracht haben, zustehen? Man weiß es nicht genau, aber vielleicht wird die nächste Geschichte ein bisschen Licht in die dunklen Abgründe der müdischen Psyche bringen.

 

3 Gedanken zu “Wilson – Der AntiAussie – Teil 23

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