Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 21

Hannibal Müdi Lecter

Vor einiger Zeit erwähnte ich ja bereits, dass das Müdi manche seiner Artgenossen einfach nicht leiden kann und dieser Abneigung gerne auch Nachdruck verleiht. Nun ja, man muss einschränkend erwähnen, dass es sich wirklich gebessert hat. Durch die vielen Jahre in der Hundeschule mit Sonja, wo es die rüpeligen, teilweise sozial nicht ganz kompatiblen Hunde beim Schulbank drücken und auf dem Pausenhof ertragen musste, ist sein Geduldsfaden deutlich dicker und die Form des Ausdrucks berechtigter Sanktionen sehr viel angemessener geworden. Außerdem ist der Kontakt zu menschlichen Teilnehmern der Gruppen, die ihn dankenswerterweise mit Leckerchen über den Tag retten – wenn man ihn fragt, bekommt er bei uns nämlich nie was zu fressen – Gold wert und hat dafür gesorgt, dass er eine ganz andere und entspannte Beziehung zu Menschen aufgebaut hat. Lerneffekt für Müdis: Nett sein lohnt, da kann Essen rauskommen. Ein großes Dankeschön dafür!

Dennoch. Ich traue diesem Müdi niemals so ganz hundertprozentig über den Weg. Manchmal hat er einfach einen Pinn im Kopf und meint mich, ein Objekt, das Leckerchen, seine Würde(?) oder die Geister in seinem Kopf verteidigen zu müssen. Das sind auf einen Monat gerechnet, meist wenige Sekunden der Beklopptheit, die diesen Hund dann durchfahren, aber wenn sie kommen, kann es unangenehm werden. Da ist einfach eine Synapse falsch verknüpft im Müdikopf. Denn wer oder was letztlich von seinem Zorn getroffen wird und in welcher Weise auch immer zu Schaden kommt, ist ungewiss. Gewiss ist nur, dass Sonja und ich es ausbaden dürfen.

Unter andrem deswegen trägt der Herr nun Schmuck in Form eines hübschen Maulkorbs vor den Beißerchen. Findet der gar nicht witzig und das, obwohl davon abgesehen wurde, ihm ein pinkes Exemplar ins Gesicht zu schnallen und er passend zum Fell schwarz tragen darf. Ich für meinen Teil jedenfalls bin aufgrund dieser neuen Situation tiefenentspannt. Es kann nun nichts mehr passieren und dennoch und vielleicht sogar nur deswegen kann er im Wald umhertollen, spielen und sich austoben. Sprich, entsetzt über jede Minute, die er nicht auf dem Sofa verbringen darf, die Zeit vor der heimischen Haustüre aushalten, bis wir zu einer Wasserstelle gelangen und er kurzweilig Spaß empfinden kann, oder aber mit dem Hundewerk.net unterwegs, jeden Teilnehmer anschmachten, bis ihm zufällig ein Leckerchen aus der Tasche fällt.

Noch nimmt er mir den Maulkorb allerdings übel. Nehme ich ihn zur Hand, setzt er seinen niedergeschlagensten Blick auf und wird er im Wald darauf angesprochen, muss ich ihn davon abhalten sich theatralisch auf den Rücken zu werfen und den- oder diejenige darum anzuflehen, den Tierschutz zu rufen. Unangenehm ist ihm diese Situation vor den Kumpels im Wald und allen Menschen, die ihm jetzt unterstellen, er könne gar nicht hören und sei „aggressiv“. Wahrscheinlich muss er da noch ein bisschen an seinem Selbstwert arbeiten, denn eigentlich weiß er selbst und wissen auch alle, die ihm etwas bedeuten, dass dieser Hund durchaus gehorsam, dass er durchaus verträglich mit Artgenossen und dass er durchaus in der Lage sein kann sich angemessen zu benehmen. Von nun an allerdings kann er das einfach mit Maulkorb beweisen und genießt ein ihm ungewohntes, volles Vertrauen seiner Besitzerinnen, das ihm ungeahnte Möglichkeiten eröffnen kann.

Herr Wilson kann nämlich nun aller Welt zeigen, dass ein gut passender Maulkorb ganz und gar nicht mit einer Minderung der Lebensqualität des Hundes einhergehen muss, sondern ihm sogar Selbige schenken kann und hat so seine ganz eigene Nische im Hundewerk.net gefunden. Weiß der Müdi zwar selbst noch nicht, aber ich bin zuversichtlich, dass er es lernen wird. So wird er das Teil irgendwann mit Sicherheit so sehr lieben, wie sein grünes Leuchthalsband, weswegen er sich entgegen aller anderen mit großer Sicherheit sogar schon auf die dunkle Jahreszeit freut.

Zur kurzen Info für alle Müdiliebhaber und ein bisschen im Auftrage meines schlechten Gewissens, ob der Herausforderung des neuen Selbstverständnisses, das mein Hund erlernen muss: Leckerchen können bequem durch die offenen Seitenteile des Maulkorbes in das Maul des Tieres geschoben werden – falls er euch das noch nicht selbst gezeigt hat. Ist mittlerweile nämlich eines der ersten Dinge, die er erwähnt, wenn er jemanden kennen lernt: Ich lege Kopf schief, Du schiebst Leckerchen rein. Bin nämlich arm dran, muss Maulkorb tragen!

2 Gedanken zu “Wilson – Der AntiAussie – Teil 21

  1. Ach du lieber Müdi, du machst was mit! Ich habe übrigens auch schon mit so einem Maul-Schmuck geliebäugelt. Keine Giftköder auflesen, keine kleinen weißen Hunde gefährden können. Abgehalten hat mich allerdings die fehlende Verteidigungs-Chance, denn immerhin ist er dreimal gebissen worden (zweimal davon hinterrücks).

    Gefällt 1 Person

    1. Ich sehe eigentlich nur Vorteile mit Maulkorb. Muss ja nicht immer und überall getragen werden. An der Leine oder Gürtel wirkt er auch. Wenn er ohne MK dreimal gebissen wurde liegt das „Problem“ wohl anderweitig. Vielleicht wären mit MK der eine oder andere Vorfall nicht zustande gekommen? Denn auch andere Hundehalter haben Respekt vor einem Maulkorb.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s