Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 19

Das Müdi als Raupe

Ein Müdi, so muss man wissen, ist ein relativ eitles Geschöpf. Fellpflege ist daher seiner Meinung nach Chefsache und ich als unwissender und unfähiger Mensch sollte da besser nicht eingreifen. Blöd ist da nur die Sache mit der Kastration und dem Flauschfell, welches seitdem vermehrt für Filz im müdischen Haarkleid sorgt. Ich habe also gar keine andere Wahl, als ihn dann und wann zu bürsten und in den seltenst möglichen Fällen auch mal die Schere zur Hand zu nehmen, um das Wuselfell an Ohren und Pfoten zu stutzen. Soll ja zumindest ordentlich aussehen, wenn er sich schon nicht ordentlich benehmen kann.

Zuletzt beschloss ich mich den heikelsten Bereichen zu widmen: Hinterteil und Rute. Es ist nicht so, dass er nicht zulassen würde, gekämmt zu werden. Er würde es nie wagen einen seiner Reißzähne gegen mich zu erheben. Das Theater, welches er veranstaltet, ist allerdings ähnlich dramatisch. Es wird gezappelt, gequietscht und sich gewunden, bis ich irgendwann völlig entnervt aufgebe und es dann meist doch ganz lasse, bzw. andere Stellen bürste, was er sich besonders im Bauchbereich doch auch gut gefallen lässt. Durch meine fehlende Durchhaltekraft und seine konsequente Sabotage der Kämmaktion am Hinterteil, hatten sich jedoch mittlerweile Filzklumpen im Dreadlockstyle gebildet, die ich nun auch nicht länger dulden konnte. Meine Lösung war so genial wie radikal, wäre mir jedoch bewusst gewesen, welches Drama ich damit auslöste, hätte ich es wahrscheinlich bleiben und ihm seinen Dreadlocklook gelassen.

Nun ja, ich beschloss mit Unterstützung die Haare am Hinterteil mit einer Schermaschine so zu stutzen, dass allem Filz der Gar ausgemacht werden würde und wir danach durch eine konsequente Pflege vielleicht ein filzfreies, glänzendes Fell nachwachen hätten lassen können. Das Scheren war relativ einfach und mein Müdi vergleichsweise tapfer, doch umso weiter wir uns vorarbeiteten, umso klarer wurde, dass da fast alles runter musste. Als wir schließlich fertig waren, konnten wir uns das Lachen kaum verkneifen. Das verknotete lange Fell war verschwunden und sein Po entblößt, was unweigerlich an einen Pavian erinnerte. Das Müdi allerdings fand die ungewohnt frische Luft und die kitzelnden Haare hinten rum so gar nicht witzig.

Seinem Ärger und ich denke, was hier treffender ist, seiner Scham aufgrund der Entstellung, verlieh er ganz müdilike natürlich Ausdruck. Er weigerte sich fortan zu gehen. Nach drei Schritten und gefühlt immer dann, wenn ihm wieder einfiel, dass die Menschen seinen Po ja sehen konnten, ließ er sich auf den Boden fallen. Mal saß er, mal lag er auf der Erde und ich konnte ihn nicht einmal unter dem Einsatz von den besten Leckerlis dazu ermutigen sich zu bewegen. Müdikenner wissen nun, was das bedeutet. Wenn er dann doch mal sein Geschäft erledigen musste, kroch er raupenartig über den die Erde und versuchte möglichst wenig Bodenkontakt zu verlieren, wobei ihm die mitleidigen und mir die kopfschüttelnden Blicke der Passanten gewiss war. Sobald wir rein kamen kroch er unter Seufzern aufs Sofa und würdigte mich und auch jeden Besuch keines Blickes, was ich zumindest in Bezug auf den Besuch sogar ganz angenehm empfand.

Ein Highlight war, als ich es wagte mit ihm in den Wald zu fahren, beschwingt losging und mein Hund sich keinen Zentimeter bewegte. Er saß, wie das Männlein im Walde, genau an der Stell, an der ich ihn von der Leine befreit hatte und bewegte sich ungelogen einfach solange nicht vom Fleck, bis ich ihn zum Auto zurückgeleitete, wo er sich schnell fallen ließ. Aber was hatte ich mir auch gedacht? Im Wald hätte er ja auf Artgenossen und im schlimmsten Fall sogar auf Freunde treffen können und aufgrund seiner Entstellung jeden Respekt im Kiez verloren…

Meinem armen Tierchen sind die Haare mittlerweile wieder nachgewachsen und er hat die Schande überlebt, die ich über ihn gebracht habe, aber ob er mir das jemals wirklich verzeihen wird, wage ich zu bezweifeln.

Autor: Mira Weidhaas

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