Leinenkontakt – Ein Tabu?

„Kein Kontakt an der Leine!“ ist glaube ich der erste Satz den ich sage, nachdem ich die Teilnehmer in der ersten Stunde begrüßt habe. Ein ungeschriebenes Gesetz unter Hundehaltern, dass ein Hund an der Leine keinen Kontakt zu anderen Hunden haben soll.
Doch wie ist das denn nun? Dürfen Hunde wirklich keinen Kontakt an der Leine haben? Ein klares „Ja“ oder „Nein“ gibt es hier (mal wieder) nicht!

Beginnen wir damit, warum wir keinen Kontakt an der Leine möchten:
Sind beide Hunde an der kurzen Leine ist eine normale Kommunikation unter den Hunden sehr schwierig. Besonders bei den Hunden, die sich regelrecht frontal in die Leine hängen und quasi auf einen „Nase-Nase-Kontakt“ zusteuern. Dieser „Frontalangriff“ wird unter Hunden nicht gerne gesehen und das Gegenüber fühlt sich berechtigterweise unwohl und wird dies entsprechend kommunizieren. Der normale Ablauf einer Hund-Hund Begrüßung ist durch die (stramme) Leine gestört. Durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit, kann im Ernstfall kein geordneter Rückzug stattfinden.
Ein „umeinander gehen“, wie es in einem normalen Hund-Hund Kontakt geschehen würde, wird schnell zum Leinenenhedderer mit der anderen Leine, schon hängen die Hunde aneinander und können bei Stress nicht mehr weg.
Druck auf dem Halsband oder ein plötzliches „fesseln“ durch eine straffe Leine in einer kommunikativ ungünstigen Situation kann schnell in einer ernsthaften Beißerei enden.

Ein weiterer Punkt, der mir persönlich wichtig ist: Wenn meine Hunde an der Leine sind sollen sie sich dort sicher fühlen. Denn ich beschränke sie durch die Leine in ihrem natürlichen Bewegungsmuster, lasse ihnen also auch nicht die Freiheit Konflikten auszuweichen (was die Terrier eh nicht tun würden 😉). Das Gefühl der Sicherheit funktioniert natürlich nicht, wenn sie stets und ständig durch andere Hunde belästigt und bedrängt werden. Es verwundert nicht, wenn dann aus dem vormals netten Hund, an der Leine eine Furie wird.

Doch im Alltag ist es manchmal utopisch die Regel „Kein Kontakt an der Leine“ einzuhalten. Denn auch wenn man sich selber bemüht, hat das Leben manchmal andere Pläne oder eben gar keinen Plan von unserer tollen Regel. Daher halten wir es für sinnvoll, dem Hund beizubringen sich auch an der Leine sozialkompetent zu verhalten und nicht in eine Starre zu verfallen und gar nicht mehr zu kommunizieren oder immer die Flucht nach vorne anzutreten. Wichtig ist, dass der Kontakt an einer lockeren Leine stattfindet, damit der Hund sich verhalten und kommunizieren kann. Dafür müsst ihr als „Leinenhalter“ Sorge tragen.

Wie so oft im Leben, gibt es auch hier nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern auch eine gewisse Grauzone. Es gibt Gebiete in denen der Hund einfach nicht von der Leine kann/darf, indem kein anderer Sozialkontakt als an der Leine möglich wäre. Oder man trifft den aller besten (Hunde)kumpel an der viel befahrenen Straße und irgendwie mutet es dann tatsächlich etwas albern an, wenn man jeden Kontakt der beiden angeleinten Hundekumpels unterbindet bis man ein geeignetes Auslaufgebiet erreicht hat. Ein erstes Beschnüffeln an der lockeren (!) Leine sollte die Situation ein wenig entspannen. Auch Mehrhundehaltern sollte es schwer fallen die Regel -kein Kontakt an der Leine- in der eigenen Hundegruppe aufrecht zu erhalten. Dies ist in einem gut eingespielten Team auch nicht nötig.

Natürlich wissen wir um die Hunde die gar keinen Kontakt wünschen. Daher ist es auch weiterhin wichtig, dass eine Leine als Signal für „Bitte, keinen Kontakt“ Bestand hat.

Denn es gibt 1000 Gründe warum ein Hund an der Leine ist. Der Grund dazu muss weder erklärt, noch diskutiert, sondern ausschließlich akzeptiert werden. Jeder hat das Recht mit seinem Hund stressfrei durch das Leben zu gehen.

Kein Leinenkontakt, wenn:

Ihr den anderen Hund und Halter nicht kennt

Der Hund an einer Flexileine ist. Diese Leinen können bei einer unbedachten Bewegung und schlechtem Handling der Leine, schlimmste Verletzungen hervorrufen.

Sich die Hunde nicht kennen

Einfach so: „Der will mal Hallo sagen“

Ihr Euch in der Hund-Hund-Kommunikation unsicher seid

Leinenkontakt ist möglich:

Bei Mehrhundehalter untereinander in der eigenen Hundegruppe

Bei Hunden, die sich gut kennen.

Nachdem ihr das mit dem anderen Hundehalter abgesprochen habt.

Wenn ihr das kleine 1×1 der Hund-Hund-Kommunikation beherrscht.

Bitte akzeptiert eine kurze Leine immer erst einmal als Signal für „Bitte, keinen Kontakt“

Respektvoller Umgang miteinander ist wichtig! Achtet aufeinander!

Autor: Sonja Stammer

Home

Ein Gedanke zu “Leinenkontakt – Ein Tabu?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s