Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 15

Das Hefeteiggate (1)

Ich backe recht gerne, viel und der ein oder andere meint sogar ganz gut. Aus diesem Grunde werde ich häufiger mal darum gebeten, auf Bestellung Backwerk für Festivitäten anzufertigen. So auch im Oktober letzten Jahres, als eine Ladung Laugenbrötchen in Auftrag gegeben wurde.

Ein Laugenbrötchenrohling besteht aus einem etwas salzigeren Hefeteig, der nach einer Gehzeit von 30 Minuten in Lauge getränkt und anschließend gebacken wird. Hefeteige zuzubereiten und ruhen zu lassen ist während der Anwesenheit eines Müdis eine etwas heikle Angelegenheit, denn wie hinreichend bekannt: Das Tier ist ein Kleptomane. Es gibt allerdings mittlerweile ausgeklügelte Pläne den Teig abzusichern, die im Normalfall auch immer eingehalten werden und hervorragend funktionieren.

An besagtem Tag war allerdings alles anders. Am Nachmittag sollte, wie jeden ersten Samstag im Monat, der Gruppenspaziergang des Hundewerks stattfinden, der Vormittag war vollgestopft mit Arbeit und am Abend sollte die Bestellung abgeliefert werden. Also mussten die Brötchen zwischen Tür und Angel gebacken werden, wobei ich während des Teigknetens – stets begleitet durch einen sabbernden Müdi zu meinen Knien – bemerkte, dass ich in der Hektik wohl nicht alle Zutaten besorgt hatte. Aus Ermangelung an Zeit überlegte ich also todesmutig, die halbstündige Gehzeit des Rohlings zum Erwerb des zur Herstellung der Lauge fehlenden Natrons zu nutzen. Nach Ausformung der Rohlinge platzierte ich sie an die hinterste Ecke der Arbeitsplatte, sodass ein normal sterblicher, mit einem Stockmaß von 38 cm viel zu klein geratener „Aussie“ unmöglich herangelangen konnte, warf ein Küchentuch über die Brötchen, damit sie auch ja nicht austrocknen konnten, und startete gen Supermarkt.

So weit, so durchdacht und organisiert. Ich hatte meine Rechnung allerdings ohne mein Tier gemacht. Denn als ich mit meinem Natron zurückgekehrt war, war dieses gerade damit beschäftigt, eines der Bötchen wieder auf meinen Teppich zu erbrechen und sich danach schuldbewusst ins Schlafzimmer zurückzuziehen. Auf der Arbeitsplatte lagen nun nicht mehr 12, sondern lediglich vier aufgegangene Teigrohlinge. broetchenIch hatte wohl das Geschirrtuch einen Millimeter zu wenig nach hinten geschoben, sodass er sich den Teig mithilfe seines Geschicks, seinen ungeahnt langen Beinen und besagtem Tuch hatte angeln können. Das Chaos war perfekt. Ich hatte weder Teig, noch weitere Hefe, um neuen herzustellen und somit auch keine Laugenbrötchen für die Party. Darüber hinaus einen unter Bauchweh leidenden vom schlechten Gewissen geplagten Müdi, mit dem ich dann zum Hundewerk Spaziergang fahren konnte und hoffen musste, dass er sich aus lauter Kummer über sein schlechtes Betragen und Schmerz in seinem durch die Hefe aufgeblähten Bäuchlein, keinen anderen Hund vorknöpfte…Allerdings, so dachte ich zumindest zu diesem Zeitpunkt, würde es dafür kein Mitleid geben. Der Hund würde auf diesen Spaziergang gehen und sich zusammenreißen, wenn er mir schon mein Mitbringsel versaut hatte, sollte er mir wenigstens nicht auch noch einen Strich durch einen gemütlichen Spaziergang in großer Runde durch die laue Herbstluft versagen.

Wenn ich gewusst hätte, dass ich die Nacht in Sorge, bäuchleinstreichelnderweise auf dem Boden verbringen würde, wäre ich vielleicht einfach sofort zum Arzt gefahren und hätte ihm, ähnlich wie beim Kuvertürevorfall, die „Ich-sollte-nicht-alles-fressen-was-ich-finde-Spritze“ geben lassen…

Laugenbrötchenrezept:

Für 12 Brötchen:
150 ml lauwarmen Wasser
1 TL Zucker
½ Päckchen frische Hefe
150 ml Mandelmilch
600 g Dinkelmehl
40 g Butter (gerne vegan)
1 ½ TL Salz
Tränke:
2 l kochendes Wasser
100 g Natron
Zum Bestreuen:
Grobes Meersalz
Sesam
Kernchen

Zubereitung:
Das lauwarme Wasser mit dem Zucker und der Hefe verrühren und 10 Minuten ruhen lassen. Derweil die trockenen Zutaten vermengen. Anschließend den Teig mit dem Hefewasser, der Milch und der Butter zu einem geschmeidigen Teig verkneten (ich benötige ca. 10 Minuten mit dem Knetaufsatz des Handrührgeräts). Den Teig abgedeckt ca. 1 Stunde ruhen lassen, dann 12 Brötchen formen und diese gut geschützt vor jeglichen Hundezugriffen 30 Minuten aufgehen lassen.
Ofen auf 200 Grad Ober/Unterhitze vorheizen.
Wasser und Natron aufkochen lassen und vom Herd nehmen. Sobald das Wasser nicht mehr kocht die Brötchen für wenige Sekunden in das Wasser eintauchen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.
Die Brötchen nach Belieben bestreuen und für 15 Minuten backen. Nach dem Backen mit Butter bestreichen und wenn kein Müdi dazwischen kommt am besten noch lauwarm genießen!

Fortsetzung

Autor: Mira Weidhaas

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