Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 12

Sport ist Mord

An diesem Wochenende war ich so verrückt ein heikles Thema zwischen dem Müdi und mir anzugehen. Die Sache mit dem gemeinsamen Joggen.

Bisher löste schon das Anziehen meiner Sportkleidung in Wilson Unbehagen und Skepsis aus. Laufschuhe bedeuten, dass sie zum Sport geht und mich alleine lässt, und wenn sie die Leine greift und mich doch mitnehmen sollte, fahren wir mit ihrem Schuhwerk sehr wahrscheinlich nicht in den Wald zum Rehe finden und Mira überlisten…beides keine guten Zeichen, denkt der sich vermutlich.

Nach etwas Überredungskunst stehen wir jedoch dann am Ausgangspunkt meiner Laufrunde. Ich starte erst nachdem sich der Hund lösen konnte, bei Wetter, das weder zu heiß noch zu kalt ist, ich will das Tier ja nicht quälen… zu Beginn meist noch mit Zuversicht. Nach den ersten motivierten Minuten, in denen Wilson hofft ich hätte es nur ganz besonders eilig, um a) irgendwo neues Futter zu besorgen, oder b) einen netten Raufpartner für ihn zu treffen, verfällt das Tier in panisches Traben. Hektisch wird versucht mir zu vermitteln, er müsse dringend kleinere oder größere Geschäfte erledigen. Wenn das dann auch nicht mehr zieht, ich ihn ins „Bei-Mir“ nehme und unbeirrt weiterlaufe, steigert sich das hektische Traben zu der auch sehr beliebten Kängurutaktik. „Ich springe einfach mal an ihr hoch und versuche sie so aus dem Konzept zu bringen.“ Vielleicht vergleichbar mit einer Ohrfeige, die einen in Panik geratenen Menschen wieder zur Raison bringen soll. Dafür gibt‘s dann Ärger, denn ob ich verrückt geworden bin oder nicht, entscheide ich dann doch gerne selbst, unterbreche dafür jedoch natürlich wieder den Lauf. Kilometer 2 erreichen wir meist schon nicht mehr, denn dann kommt Wilsons Totschlagargument: Er bleibt einfach stehen – dumm ist er ja nicht. Ich muss unwillkürlich an Stunde 7: „Leinenführigkeit“ im Hundewerk denken. Konsequenz führt zum Ziel, hatte sich wohl auch das Müdi gemerkt, der hört den Inhalt ja auch viel häufiger als ich… Wilson geht immer nur dann weiter, wenn ich gehe, setze ich zum Laufen an, bleibt er stehen und wir kommen nicht weiter. Was soll man dagegen tun? Laufen mit 17 kg Aussie im Schlepptau, ist mir doch ein bisschen zu anstrengend. Also siegt Herr Wilson und wir GEHEN nach Hause, Hund glücklich – Frauchen enttäuscht. So war das bisher.

Nun sollte sich das ändern. Ein schöner Sonntagmorgen, ein entspannter ausgeschlafener Hund und eine Fahrt zum müdischen Lieblingssee (Wasser mag er nämlich echt gern) boten die perfekten Bedingungen für die erste gemeinsame Joggingrunde seit Ewigkeiten. Ich hatte mir vorgenommen ihn nicht siegen zu lassen und war ganz schön beeindruckt von meinem Hund (und mir)! Wir haben Kilometer 3 erreicht und Herr Müdi hat ganz brav mitgemacht, war zwischendurch baden und unbeirrt dabei, an belebten Stellen schön im „Bei-mir“ und warf mir nur gelegentlich irritierte Blicke nach dem Motto: reicht es nicht langsam?! zu. Es schien als würden ihn die ersten Frühlingsanzeichen geradezu beflügeln. Nach der Hälfte verfiel mein Müdi jedoch wie gewöhnlich in den Trödel-Futtersuch-Modus, dann musste die Leine an das Tier. Den zweiten Teil bestritten wir dann mehr schlecht als recht in leichtem Traben, womit man allerdings in Anbetracht der bisherigen Erfahrungen richtig zufrieden sein kann. Auf den letzten Metern lobte ich ihn daher überschwänglich (vor Allem weil er durchgehalten hatte, ohne dass ich ihn tragen musste). Doch ich wurde keines Blickes gewürdigt. Das ist ein richtig angenehmes Gefühl, wenn man meist auch noch vor Publikum, mit hoher Stimme freudig seinen Hund mit Nettigkeiten überhäuft und dieser angestrengt in die andere Richtung schaut, bzw. gelegentlich einen verachtenden Blick erübrigt. Da hatte ich was angerichtet… Nachdem das Müdi die Rückfahrt stinksauer im Kofferraum gelegen hatte, überraschte er mich dann zuhause angekommen damit, dass er nicht wie üblich mit anklagendem Blick vor dem Kühlschrank wartete, sondern schnurstracks ins Bad verschwand und sich hinter der Tür einrollte. Nicht dass ich auf die Idee käme mich MIT ihm auf das Sofa zu kuscheln, oder auch nur daran denken könnte ihn nochmal vor die Türe zu schleifen. Das war dann unser Sonntag. Mira ihm Wohnzimmer, der Hund im Bad. Wenn der jetzt noch Musik aufdrehen und Türen knallen könnte…Naja, mit einer kleinen Nettigkeit in Form eines Kauknochens konnte ich ihn letztlich doch von meinem guten Willen überzeugen. Wenn man SO viel Sport gemacht hat, kann man ja auch mal was Naschen. Vielleicht kann ihn diese Einsicht ja auch langfristig überzeugen.

Autor: Mira Weidhaas

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