Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 11

„…und ich bin ein Jagdhund!“

Mein liebes kleines Nicht-Hütefixchen legt ja, wie schon zu lesen war, so einige seltsame Gewohnheiten an den Tag. Aber man sollte niemals glauben, dass man sich auf diese für einen Aussiekenner vielleicht ungewöhnlich erscheinenden Eigenschaften einrichten könnte und mein Tier jemals wirklich zu berechnen wäre.

Ich bin nicht auf vieles stolz, was die Erziehung dieses Hundes angeht. Eigentlich gibt bzw. gab es nur zwei Dinge. Einmal, wie bereits in der Bademantelgeschichte angedeutet, seine Bereitschaft sich ohne Zappeln ordentlich abtrocknen zu lassen und mir dabei so lieb die Pfötchen anzureichen. Zum Zweiten seinen Gehorsam bei Wildwechsel. Das hatten wir beide perfektioniert. Ein Reh bedeutete für Müdi, ich gehe zu Mira, bekomme ein Leckerchen und beachte das Wild keinen einzigen Wimpernschlag lang. Wer ihn kennt, kann sich schon vorstellen, dass dies eigentlich keine sonderliche Meisterleistung meinerseits gewesen ist. Was für eine Frage, ein Tier zu jagen und sich zu bewegen, oder geliebt werden und fressen, da erscheint die Müdiwahl eindeutig. Nichtsdestotrotz sieht das im Wald schon ganz schön cool aus, wenn dein Hund ggf. vor Publikum bei Sichtung eines Rehes zu dir stürmt und sich strahlend vor dich setzt, anstatt durchzustarten und dich dumm dastehen zu lassen. Für dieses sein Vorzeigeverhalten haben wir jedenfalls die ein oder anderen begeisterten Glückwünsche verzweifelter Jagdhundebesitzer einheimsen können…

So ging das eine lange, lange Zeit bis zu einem schönen Spaziergang vor ca. drei Jahren, als sich mein Müdi dachte, er müsse sich endlich mal was Neues einfallen lassen, um unsere Beziehung, meine Geduld und meine Fähigkeiten auf die Probe zu stellen. Die Situation gestaltete sich wie folgt: Da war ein Eichhörnchen, da war ein Müdi und da war eine selbstsichere Mira, die schon die Hand am Futterbeutel hatte, um sein vorbildliches Verhalten zu belohnen. Doch urplötzlich war da nur noch eine Mira, die entgeistert einem scheinbar erwachten Wilson hinterherstarrte, der wiederum mit ungeahnter Schnelligkeit startete, um sich ein Eichhörnchen zu fangen. Die Jagd ging, ob der fehlenden müdischen Kondition oder ob der Kletterfähigkeiten des kleinen Tieres Willen nicht lang und der Jäger schlich mit einem riesigen schlechten Gewissen (das er hat, auch wenn er es de facto gar nicht haben kann) aus dem Unterholz zurück zu mir. Nachdem ich ihm erklärt hatte, dass das gar nicht geht, konnte er mir den Rest des Tages zwar nicht mehr in die Augen schauen, aber ich dachte, damit hätte sich die Sache dann auch gehabt…wie falsch man liegen kann.

Dies war, so weiß ich heute, der Beginn seiner neuen Karriere: Wilson der Jagdhund, oder ganz nach Müdi: „Wenn ich mich schon bewegen muss, dann entscheide ich selbst, wie, wann und wem ich hinterherhetze und vorzugsweise bist das nicht du!“ Seit diesem Tage gehen wir nun jedes Wochenende mit Schleppleine am Hund in aller Herrgottsfrühe entlang einer sehr wildreichen Strecke spazieren. Ich nenne das „Rehe suchen“, um meinem Hund zu erläutern, dass er mit seinem Verhalten zukünftig niemals wieder Erfolg mehr haben wird und wir gemeinsam irgendwann zu unserem Vorführantijagdverhalten zurückfinden. Vielleicht muss ich einfach nur das richtige Leckerchen finden, oder einfach nicht mehr mit ihm spazieren gehen, weil wenn man mal ganz ehrlich ist: Ich würde ihm zutrauen, dass er nur versucht mir die Umstände unserer gemeinsamen Touren schlichtweg zu erschweren, damit ich es irgendwann ganz lasse und er schlussendlich für immer zu Hause auf dem Sofa bleiben kann.

Autor: Mira Weidhaas

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