Berufung Hundetrainer? – oder wie mich der Ruf ereilte!

Uns ereilte ein Ruf von Anna Meißner zur Blogparade: Der Hund als BeRUFung.
Daniel hat sich dazu Gedanken gemacht. Wie kam der Hund in sein Leben? Welchem Ruf ist er gefolgt?:

DanielDogs

Die Anfänge: Der erste Traum vom eigenen Hund

Ich hatte als Kind einen Traum: ich kam aus dem Urlaub zurück und nach drei Wochen konnte ich endlich wieder meinen Hund sehen und ihn in die Arme nehmen. Er rannte schwanzwedelnd, jaulend und völlig überdreht auf mich zu und hatte sich genauso gefreut, mich wieder zu sehen wie ich ihn. Ich erinnere mich noch heute, fast 30 Jahre später, was das für ein Gefühl im Traum gewesen ist. Es war einfach nur schön und überwältigend.

Die Realität

Ich wollte immer schon einen Hund. Meine Eltern aber nicht. Daher bekamen wir einen Wellensittich und nannten ihn Mecki.

Als Kind hatte ich unseren Nachbarshund, einen Rauhaardackel Namens Wastel, regelmäßig ausführen dürfen, jedoch war das nicht das gleiche, wie einen eigenen Hund zu haben. Die Jahre vergingen und ich hatte immer noch keinen eigenen Hund. Nach meinem Abitur bin ich für einige Monate nach Brasilien gegangen. In der Gastfamilie, bei der ich lebte, gab es zwei Hunde. Einen Dobermann Namens Apollo und einen Mischling. In der Zeit, in der ich in Brasilien war, habe ich eine ganz innige Beziehung zu diesem Dobermann aufgebaut. Morgens, wenn ich aufwachte, lag er vor meiner Tür und hatte gewartet, bis ich aufgestanden war. Ich hatte einen Seelenverwandten in ihm gefunden. Es war wie damals in dem Traum. Ein Hund, vielleicht sogar mein Hund, der auf mich wartete. Mit dem großen Unterschied nur, dass es kein Traum war – sondern Realität!

Es war einfach nur schön und überwältigend.

Der Zeitpunkt kam, wo ich Brasilien und demnach auch Appolo verlassen musste, und nach Deutschland zurück gereist bin. Und ich hatte weiterhin keinen Hund.

Dann bin ich zur Uni gegangen und habe mich für das Studium der Sozialwissenschaften entschieden. Diese Zeit war sehr lang 🙂 und es fehlte weiterhin ein eigener Hund. 2003 war es dann endlich soweit. Ich sollte tatsächlich einen eigenen Hund bekommen.

Hals über Kopf zum ersten eigenen Hund

Mein Freund und ich waren im Herbst zuvor auf Sylt gewesen. Viele Urlauber waren mit ihren Hunden dort unterwegs und der Gedanke keimte auf, dass es Zeit war, sich gemeinsam einen eigenen Hund anzuschaffen. Welche Rasse sollte es sein? Auch dies war im Urlaub auf Sylt geklärt, denn wir hatten am Wattenmeer an einer Bank einen braunen Labrador gesehen und uns in diese Rasse verliebt. Im Jahrhundertsommer 2003 kam das kleine braune Fellbündel, namens Bishop zu uns. Es war unerträglich heiß und der kleine Welpe hatte nichts von der Lebendigkeit und Aufgedrehtheit, wie man es bei einem Welpen erwarten konnte. Er lag einfach nur auf den Fliesen und wollte sich abkühlen. So wie wir Menschen auch, nur dass wir nicht auf den Fliesen lagen.

Abends sind wir dann in den Park, wo es einen Wasserspielplatz gab, und Bishop drehte ganz in seinem Element Wasser auf. Ja ich weiß, Hunde haben nichts auf Spielplätzen zu suchen – aber es sei uns verziehen. Es war der Jahrhundertsommer.

Es war der beste erste Hund, den man sich vorstellen konnte. Völlig unproblematisch. Wir gingen auch ziemlich unerfahren an die ganze Sache ran, mit der Verantwortung einen eigenen Hund zu haben. Wir fuhren, nachdem uns unser Vermieter einen Hund erlaubte, noch am selben Tag nach Ascheberg – zu einem Vermehrer! Aus sechs kleinen Labradorwelpen haben wir uns dann tatsächlich für den richtigen entschieden. Als wir dann um 19:50 Uhr wieder zu Hause angekommen waren, hatten wir keinen Napf, keine Leine und auch sonst keine Ahnung, wie man einen kleinen Welpen aufzieht. Zusätzlich hatte Bishop Kryptospyridien mitgebracht. Diese einzelligen Darmparasiten haben wir von dem Vermehrer noch umsonst als Geschenk dazu bekommen. Die Jahre vergingen und Bishop war der perfekte Ersthund. Verfressen und lieb. Selbstverständlich besuchte ich auch eine Hundeschule und ich entschied mich für einen Rückrufkurs. In dieser Gruppe von sechs weiteren Hunden war Bishop der einzige, der immer wieder zurück kam. Wir sollten Fleischwürstchen zum Training mitbringen. Wer hätte das gedacht, dass ein Labrador so futteraffin ist :-). In dieser völlig unproblematischen Zeit habe ich mich das erste Mal dafür interessiert; Hundetrainer zu werden. Der erste Ruf! Ich machte mich im Internet über diese private Ausbildung schlau und stieß auf eine Ausbildung bei dem bekanntesten deutschen Hundetrainer überhaupt und wurde sofort wieder desillusioniert. Über 10.000 Euro! Das konnte und wollte ich mir nicht leisten. Ich war noch mitten in meinem Studium der Sozialwissenschaften, welches mit einem anerkannten und geschützen Titel beendet werden sollte. Also wurde der Ruf wieder leiser.

Wiederholungstäter und ein weiterer Ruf

Irgendwann wollten wir einen zweiten Hund, einen weiteren Labrador. Und diesmal sollte die Auswahl und die Vorbereitung besser laufen, als beim ersten Hund. Wir fanden eine Familienaufzucht und haben den kleinen Pepe bis zu der Zeit, wo wir ihn mit nach Hause nehmen konnten, drei Mal besucht. Nur er wollte als einziger der sieben Welpen unseren Besuch nicht. Er lief sofort zur Züchterin, wenn wir kamen. Alle anderen Welpen waren so, wie man sich sie vorstellt: verspielt, vorwitzig und an unseren BishopPepeSchnürsenkeln knabbernd. Wie schon erwähnt, sollte die kommende Zeit mit höchstwahrscheinlich zwei 30 Kilo Hunden an der Leine besser vorbereitet sein und ich suchte mir eine Hundeschule in meiner Nähe, um als erstes den stark futteraffinen Bishop noch besser in Spur zu bringen und zudem für die Erziehung bei Pepe bestens gewappnet zu sein. Ich musste dann aber erfahren, dass Pepe nicht der einfachste Welpe werden sollte. Als wir mit Bishop im Kennenlerntermin der gefundenen Hundeschule waren, wurde ich erneut desillusioniert, diesmal von der Hundetrainerin. Sie sagte Bishop sei unauffällig ungehorsam. Und genau das war er auch. Verfressen und lieb – aber gehört hatte er nie wirklich. Motivation ist ja kein Gehorsam! Und in der Zeit, wo ich zur Hundeschule ging, hörte ich wieder den Ruf: den Ruf mich als Hundetrainer selbstständig zu machen. Aber da war ja auch noch der finanzielle Aspekt. Entweder man hat einen privaten finanziellen Unterstützer an seiner Seite – den hatte ich nicht – oder man macht die private Ausbildung zum Hundetrainer nebenberuflich. Und tatsächlich habe ich den Ruf so stark gehört, dass ich diesen Kraftaufwand parallel zu meinem Vollzeitjob aufgebracht habe. Ich habe mich an die damalige Hundeschule gewandt. Mir wurde die Chance eingeräumt, mich dort, von mir bezahlt, ausbilden zu lassen. Die Art und Weise einen Hund zu erziehen, die ich dort gelernt habe, ist und bleibt für mich die einzig Richtige!

Seinem Ruf folgen

Während ich mich praktisch bei der Hundeschule hab ausbilden lassen, habe ich viel autodidaktisch Theorie studiert. Zusätzlich gehe ich regelmäßig und heute auch noch auf Seminare und Vorträge, um mich stets auf dem neusten Stand zu halten und mich fortzubilden. Irgendwann kam dann auch die Zeit, wo ich eigene Kurse machen konnte. Nachdem ich den ganzen bürokratischen Kram hinter mich gebracht hatte, war ich dann auch steuerlich erfasst als Hundetrainer. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Stunde mit meinem ersten eigenen Kurs. Was war ich aufgeregt! Meine beiden Labradore waren perfekt erzogen und waren erstklassige Beweise dafür, dass das Konzept, welches ich an die Teilnehmer vermitteln möchte, funktioniert. Das aller schönste an diesem Beruf ist aber, dass der „Ruf“ der Teilnehmer einen täglich bestätigt, das Richtige zu tun. Und vor allem auch, wie ich es tue. Zum Beruf des Hundetrainers gehört nicht nur allein große Expertise und viel Wissen der verschiedensten, theoretischen Methoden, sondern insbesondere auch das Feingefühl vermitteln zu können. Des Weiteren gehören viel Leidenschaft und Ambition dazu, die Teilnehmer auf dem Weg zu begleiten ein tolles Mensch-Hund-Team zu werden. Hierbei haben mir sicherlich auch die Inhalte meines Studiums geholfen. Wie der glückliche Zufall es wollte, hat mir mein Arbeitgeber, bei dem ich sozialversicherungspflichtig beschätfigt bin, die Möglichkeit eingeräumt ein Ausbildereignungsseminar zu machen. Nach sechs Monaten Weiterbildung war ich dann auch anerkannter Ausbilder. Der Ruf verlangt einiges von einem ab und das neben seiner ganzen Arbeit. Ich habe über die Jahre hinweg viele Mensch-Hund-Teams begleiten dürfen und ihnen dabei geholfen, mit einem gehorsamen Hund durchs Leben zu gehen. Ich bin nämlich ein Gehorsamstrainer und bin das sehr gerne. Ich finde die Spezialisierung auf eine oder wenige Disziplinen bei der Hundeausbildung sinnvoller, als alles nur wenig gut zu können. Gehorsamstraining ist mein Steckenpferd, wobei ich auch gerne mit meinen Hunden trickse und unendlich gerne Agility mache. Wer hätte gedacht, dass ich Sportfaulenzer so viel Spaß an dem Sport Agility entwickelt habe, und das auch noch mit Pepe, einem Labrador. Die Kurse und die wunderbare Resonanz der Teilnehmer ließen den Ruf jedoch nicht verebben, eher haben sie ihn noch verstärkt.

Der Ruf nach einer eigenen Hundeschule

Ich wollte nicht mehr als Freiberufler für eine Hundeschule arbeiten. Ich wollte meine eigene Hundeschule. Dieser Ruf ereilte mich sehr stark. Ich fragte eine Freundin, die auch für die damalige Hundeschule Kurse übernommen hatte, was sie von der Idee halten würde, sich mit einer eigenen Hundeschule selbstständig zu machen. Gefragt –getan! Im Februar 2015, nach mehr als acht Jahren haben wir den Schritt gewagt und das Hundewerk.net gegründet. Es stellte sich heraus, dass ich nicht umsonst dem Ruf nachgeeilt war. Es war und ist ein sehr schönes Gefühl, etwas Eigenes auf die Beine gestellt zu haben und das Hundewerk weiter zu entwickeln. Des Weiteren stellte sich aber auch heraus, dass der Ruf mit sehr viel mehr Arbeit einhergeht, als ich es mir vorgestellt habe. Aber die Arbeit lohnt sich. Es sind die Teilnehmer, die meist auf Empfehlung zum Hundewerk kommen und die sich beim Hundewerk wohl und gut aufgehoben fühlen.

Von weiteren Rufen und solchen die verklingen

Vor der Gründung des HundeWerk.net hörte ich wieder etwas rufen. Es war der Wunsch nach einem dritten Hund. Aber wieder stellte sich die Frage nach der Rasse. Ich wollte einen kleineren Hund, als der Labrador es ist. Einen Hund, der in mein Leben mit der Hundeschule gut reinpasst. Es wurde ein Kleiner Müsterländer und diesmal eine Hündin. Wieder hat mich der Ruf nicht enttäusucht. Eine Sie in den Männerhaushalt zu holen, war hervorragend. Ihr Name ist Ling woo. Eine hübsche, chinesische Kleine Münsterländerin. Bei ihr lief alles viel einfacher als bei Pepe. Ich war ja auch schon beseelt vom Ruf des Hundetrainers und sie machte mir die Erziehung sehr einfach. Ich war über die Jahre zum Profi geworden. Nun gut, ein bisschen irre ist sie auch, aber das liegt ganz sicherlich nicht an mir :-). LingWoo

Mit Ling woo habe ich dann auch relativ schnell angefangen, Agility zu machen und ich hatte erneut einen Ruf. Ich sah die Schlagzeile schon vor mir: „Kleiner Münsterländer ist Weltmeister im Agility“. Aber die Rufe der Hundebesitzer der schwarz weißen Hunde sind lauter und diese Hunde auch noch viel schneller. Demnach habe ich diesen Ruf einfach nicht weiter beachtet.

Jetzt im Jahr 2018, mit 40 Jahren, habe ich zwei Jobs: einen abhängig beschäftigten und eine eigene Hundeschule – gemeinsam mit Sonja Stammer, einer sehr guten Freundin als Geschäftspartnerin. Ob der Beruf des Hundetrainers meine Berufung ist, kann ich selbst nicht eindeutig sagen. Aber was ich sagen kann, ist, dass ich gerne Hundetrainer bin. Mir macht die Arbeit mit dem Mensch-Hund-Team sehr viel Freude, und sich mit diesen Teams in deren Freizeit zu beschäftigen und sie auf dem Weg der Hundeerziehung zu begleiten, ist mein Beruf. Meine Selbstständigkeit. Das gute und positive Feedback der Teilnehmer ist unter anderem der Grund, warum ich Hundetrainer bin. Zusätzlich macht es mir selber großen Spaß zu sehen, wie sich die Hunde, aber auch das Mensch-Hund-Team durch das Konzept des HundeWerks zu einen funktionierenden Team entwickelt. Ohne deren Erfolg hätten wir keinen Erfolg – käme nicht diese gute und positive Resonanz. Es ist das Richtige!

Abschließend möchte ich noch sagen, sollte jemand den Ruf hören, Hundetrainer werden zu wollen, muss er/ sie sich drauf einstellen, dass es viel, sehr viel Arbeit ist. Ich bin froh, das HundeWerk.net gemeinsam mit Sonja zu führen, denn wir sind ein starkes Team. Dass es sich lohnt, habe ich ja gerade ausführlich dargelegt. Heute ist es so, dass mein Traum von damals Realität geworden ist. Ich habe eigene Hunde und sie laufen freudig und schwanzwedelnd auf mich zu. Und dass ich mit diesem unendlich dankbaren Geschöpfen und deren Besitzern arbeiten darf, ist einfach nur schön!

 

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