Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 8

Um die ganze Geschichte meines Müdis zu kennen und all seine Macken verstehen zu können, muss man wissen: Herr Wilson ist ein Trennungshund. Diese Tatsache wurde eine lange Zeit schamlos von ihm ausgenutzt und hat letztlich sogar vor nun fast viereinhalb Jahren das Ende unserer gemeinsamen Geschichte bedeutet.

Als Müdi und ich damals verlassen wurden, war er zwei Jahre alt. Von einem Tag auf den anderen wurde ich alleinerziehende Hundebesitzerin eines Tieres, das alles andere als erfreut über die Tatsache war seinen Lieblingsmenschen aufgeben und mit mir sein Dasein fristen zu müssen.

Manchmal frage ich mich, wer von uns beiden die ganze Sache trauriger fand. Ich konnte es jedenfalls wenigstens verstehen, wohingegen Wilson Wochen und Monate auf die Rückkehr seines Herrchens wartend, schmachtend im Flur lag und seine sich aufstauende Wut und Trauer in verschiedenster Weise auszuleben suchte. So beschloss er beispielsweise fortan keinerlei Aktivitäten mehr auszuüben – die Runden im Wald wurden zur Qual. Hunde waren nun auch nicht mehr seine Freunde, sondern ein jeder, der dumm dahergelaufen kam, musste angepöbelt und verprügelt werden. Einen Tiefpunkt erreichten Wilsons Trotzanfälle, als er mich eines Tages umriss und sich

mich bäuchlings über den Asphalt zerrend auf einen verhassten Schäferhund stürzte. Es musste etwas passieren: Ich gab der Sache ein Jahr, in dem ich versuchen wollte Wilson für mich zu gewinnen, hart an der Erziehung zu arbeiten und die Sache in den Griff zu bekommen.

Das klappte partiell auch ganz gut. Die Besuche in der Hundeschule im Kurs bei Sonja, meine Konsequenz und die Routine unseres neuen Alltags trugen bald Früchte und Wilson und meine Beziehung besserte sich. Ich glaube irgendwann begann er sogar, mich zu mögen. Aufgrund meines straffen Zeitplans, der Studium und mehrere Nebenjobs umfasste, kümmerten sich abwechselnd meine Eltern aber auch meine Oma um das Müdi, damit ich arbeiten, lernen und dann und wann auch mal ausgehen konnte, ohne Wilson Ewigkeiten alleine lassen zu müssen.

Der Hund entschloss sich allerdings nach wenigen Monaten meiner neu gewonnen Hartnäckigkeit in seiner Erziehung, die Wut anders zu kanalisieren und meine Oma in ihrer neuen Wohnung zu verteidigen. Diese Tatsache schloss sie somit zukünftig als Betreuerin für ihn aus. Darüber hinaus setzte er den Dackelmix meiner Eltern auf die Todesliste. Meine Abwesenheit ausnutzend stürzte sich Wilson mehrfach auf den kleinen Senioren und die Prügeleien blieben auf beiden Seiten nicht ohne Verletzungen. Es blieb keine andere Wahl als zu entscheiden die beiden fortan zu trennen und Wilson nicht mehr durch meine Eltern betreuen zu lassen. Alleine lassen konnte ich ihn tagsüber

allerdings auch nicht und so kam ich nach langen Überlegungen und einem sehr turbulenten Jahr zu dem Entschluss, dass ich meinem Müdi unter diesem Umständen kein schönes Leben bieten könnte und es das Beste für alle Beteiligten wäre, ein neues Zuhause für ihn zu finden.

An diesem Punkt schaltete sich dann Sonja ein und bot an mir unter die Arme zu greifen und Wilson während meiner vollen Arbeitswochen Asyl zu gewähren. Denn sie vermutete, dass Wilson schwer zu vermitteln gewesen wäre, denn man muss schon wissen, wie dieses Tierchen zu nehmen und zu erziehen ist. Den Gedanken, dass unser Müdi den Rest seines Lebens von Familie zu Familie gereicht werden würde, konnten wir beide nicht ertragen und so nahm ich ihr Angebot an und Wilson wurde zu einem Teilzeithund. Einem glücklichen Teilzeithund, der so oft es möglich ist, bei mir sein kann und den Rest der Zeit in den besten Händen bei Sonja und ihrem Rudel verweilt.

Vieles hat sich seitdem verbessert und Wilson ist deutlich ausgeglichener, berechenbarer, lustiger, fauler und älter geworden. Glücklicher hätte es für uns beide einfach nicht laufen können.

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