Wilson der AntiAussie

Wilson – Der AntiAussie – Teil 6

Suizidale Veranlagung – Teil 1 

Suizidale Veranlagung – Teil 2

Suizidale Veranlagung – Teil 3

Als klar wurde, dass wir lediglich eine Tierarztpraxis aufsuchten, benahm sich der merklich erleichterte Müdi selbstverständlich voll daneben. Das macht er nämlich immer so beim Tierarzt. Er merkt sofort, dass ich dort zumeist sehr gestresst bin und niemals so durchgreifen würde, wie ich es sonst täte. Perfekte Gelegenheit den fiesen, unerzogenen Mistkerl raus hängen zu lassen und mich bis auf die Knochen zu blamieren.

An jenem Tag kamen wir, als wäre unser Auftritt nicht dramatisch genug, durch die Tür und Wilson hechtete aus dem Stand, ohne Anlauf oder Vorwarnung auf die Anmeldetheke. „Lethargisch scheint er noch nicht zu sein“, stellte die Dame an der Anmeldung belustigt fest. „Wohl eher unter Zuckerschock“, antworte ich verlegen, während ich das Tier von der Theke schubste und den Anmeldebogen ausfüllte. Nachdem auf dem Weg ins Behandlungszimmer noch voller Inbrunst ein Hund angepöbelt wurde, schrumpfte der fiese Macker schließlich auf ein kleines Häufchen Elend zusammen, als die Tierärztin herein kam…immer das Gleiche mit dem Kerl. Vor dem bösen Tierarzt mit den fiesen Spritzen hat er nämlich Angst ohne Ende.

 

Nun hieß es zunächst den Hund zu fixieren, damit die Ärztin ihn untersuchen konnte. Die größte Stresssituation für mich, da ich bei fremden Menschen und panischem Müdi nie so sicher sein möchte, ob das denn auch gut geht. Die Behandlungsmethode war schnell klar und Wilson sollte ein Mittel injiziert bekommen, dass ihn dazu anregen sollte sich zu übergeben, um so die Schokolade aus seinem Organismus zu bekommen.

Die Injektion kommentierte Wilson mit einem markerschütternden Jaulen, was die Ärztin halb zu Tode erschreckte. Nach umständlichen Erklärungen, dass das eigentlich nur etwas brennen würde, konnte ich sie dann damit beruhigen, dass sich mein Hund einfach nur anstellt. Peinlich halt, mein Held. Die Wirkung sollte wenige Minuten später einsetzen und solange lies sie mich mit dem Patienten alleine. Das Müdi war so gar nicht glücklich. Er fing sofort an zu schmatzen und zu trinken und ihm schien so richtig übel zu werden, doch es passierte nichts. Zwischendurch kam die Ärztin immer wieder rein, doch er hatte sich fest entschlossen, sich diese Blöße hier nicht zu geben und die Schokolade einfach bei sich zu behalten.

Nach geschlagenen 35 Minuten, mittlerweile mussten wir mit anhören, wie im Nachbarzimmer ein Hund eingeschläfert wurde – furchtbar traurig und in dieser Situation nicht minder aufwühlend – , kam die Ärztin dann mit einer weiteren vorbereiteten Injektion ins Zimmer. Das war dann doch auch zu viel für mein Tier. Bei der Vorstellung diesen unsäglichen Schmerz der Spritze erneut über sich ergehen lassen zu müssen, entschloss er sich dann doch seinen Mageninhalt vor die Füße der Ärztin zu entleeren. Was wir zu sehen bekamen, war eine beträchtliche Menge Schokolade. Noch mal gut gegangen und gut, dass wir den Weg zum Arzt gekommen waren. Danach gab es ein Mittel gegen die Übelkeit, doch das half meinem armen müden Krieger nicht. Der war hinüber.

110 EUR ärmer, durfte ich ihn dann ins Auto tragen. Vom nachmittäglichen HundeWerk-Spaziergang wurde er freigestellt (Berechnung?) und den Rest des Tages verbrachte er robbenartig alle viere nach hinten gestreckt, zuckend auf dem Küchenfußboden. Ein typischer leidender Müdi. Was hatte ich auch anderes erwartet. Mitleid gabs keins, meine Urlaubskasse war leer, die Laune auf dem Tiefpunkt, aber als er dann gegen Abend völlig erledigt auf mein Sofa kroch und sich ächzend auf meinen Füßen zusammenrolle, konnte ich nicht umhin auch ein bisschen glücklich zu sein, dass sein Suizidversuch missglückt war. Dennoch die wohl teuerste Packung Kuvertüre, die ich je in den Händen gehalten habe…

 

Autor: Mira Weidhaas

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