Ballspielen Fluch oder Segen


Viele Hundebesitzer spielen mit ihrem Hund Ball. Es ist ja auch bequem und mit Ballschleuder fast rückenschonend. Hat der Hund erst einmal gelernt den Ball zuverlässig zurück zu bringen, steht dem Spiel nichts mehr im Weg. Der Hund kann richtig gut mit wenig Aufwand ausgelastet werden. Will heißen mit wenig Bewegung/Eigenleistung auf der Seite des Menschen.

Menschenseite: Laden-Werfen-Laden-Werfen
Hundeseite: Hetzen-Packen-Schütteln-Bringen- Hetzen-Packen-Schütteln-Bringen (in Endlosschleife)

Was bedeutet das für unseren Hund? Spaß? Ernst? Wer weiß das schon genau? Uns macht es auf jeden Fall Spaß. Es ist schön zu sehen, wie der Hund wieder und wieder über die Wiese flitzt und dem Ball hinterherjagt. Dann kommt er zu uns, hechelnd und fordert uns auf den Ball erneut zu werfen.

Dieses Spiel hinterlässt bei uns ein gutes Gefühl, denn wir haben unserem Hund etwas geboten, ihn wieder gut ausgelastet. Statt stundenlang stupide mit ihm spazieren zu gehen, haben wir etwas gemacht, dass unserem Hund Freude bereitet. Und sind wir mal ehrlich: Was unseren Hund glücklich macht, macht auch uns glücklich.

Es ist schön zu sehen, wenn unser Hund, später zuhause friedlich schlummert und seine Pfoten zucken – in wilder Traumjagd hinter dem Ball (Beute?) her.

Doch viele, so auch wir, warnen vor dieser Art des Spiels. Warum? Dafür müssen wir ein wenig ausholen:

Ballspielen ist nichts anderes als Jagen.
Wenn wir uns das Jagdverhalten anschauen, können wir feststellen, dass es sich in einzelne Sequenzen unterteilen lässt. Wir erhalten folgende Handlungskette: Orientierungsverhalten (= Suchen der Beute)-Fixieren-Anpirschen-Hetzen-Packen-Schütteln/Töten-Zerreißen/Fressen.

Teile von der Handlungskette solltet ihr wieder erkennen, auch beim Ballspielen haben wir das Hetzen-Packen-Schütteln-….und manche Hunde würden ihr Spielzeug auch gerne zerlegen.

Diese Handlungskette ist genetisch festgelegt. Durch Zucht sind einzelne Elemente dieser Kette bei den verschiedenen Hunderassen stärker oder schwächer ausgebildet. Je nachdem für welche Aufgabe der Hund gezüchtet wurde. Bei einem Border Collie z.B. macht Packen-Töten-Zerreißen wenig Sinn, dafür ist Fixieren-Anpirschen-Hetzen stark ausgeprägt.

Jagen an Sich schüttet Glückshormone aus und dabei kommt es nicht darauf an, ob der Hund Erfolg hat, also Beute macht, oder nicht. Alleine einzelne Sequenzen der Handlungskette reichen aus, um ihn in ein hormonell gesteuertes Hochgefühl zu versetzen. Dies macht Sinn, so hat der Hund immer wieder Lust auf die Jagd zu gehen, auch wenn die letzten Male nicht von Erfolg gekrönt waren. Hunde können also zu Hormonjunkies werden, die immer wieder die Sequenz des Jagdverhaltens wiederholen, um ihren Kick zu erhalten.

Mit Ballspielen erhalten wir im „günstigsten Fall“ kleine Balljunkies. Im ungünstigsten Fall -und hier besteht eine tödliche Gefahr – perfektionieren wir das Jagdverhalten unseres Hundes. Ihr erinnert Euch: Hetzen-Packen-Schütteln (=Töten) in Endlosschleife. Wir trainieren für den Ernstfall.

Wenn dieses genetisch fixierte Verhaltensmuster aus dem Ruder läuft und plötzlich kein Ball, sondern ein anderer Hund, ein anderes Tier oder ein Kind gehetzt wird, kann dies tödlich enden. Mit Beute wird nicht lange gefackelt, sie wird erlegt.

Nun Hand aufs Herz, wer kann seinen Hund aus dem vollen Galopp hinter dem Ball her stoppen? Heißt, wer kann dem Hund mit einem! Kommando verbieten, den Ball zu packen, obwohl er schon hinterher hetzt?

Die erhobenen Hände sind dünn gesät.
Einzelne Stimmen werden laut… „Aber das ist doch gemein, dem Hund macht das so viel Spaß“.

Doch was ist, wenn aus dem Spaß, Ernst wird?

Hier geht es nicht darum, Euch zu verbieten mit Eurem Hund Ball, Frisbee o. ä. zu spielen. Sondern wir möchten Euch für eine Problematik sensibilisieren, die im schlimmsten Fall tödlich für die „Beute“ ausgehen kann.
Spielt intelligent mit Euren Hunden. Schaut, dass diese zu stoppen sind. Übt dies, bzw. kontrolliert dies immer wieder. Falls ihr das Gefühl habt, dass Eure Hunde bei dem Thema hinter dem Ball herjagen eher unkontrollierbar sind, dann sind andere Spielmöglichkeiten sinnvoller.

Braucht Ihr Hilfe? Wir unterstützen Euch!

Vereinbart einen kostenlosen Kennenlerntermin.

Autor: Sonja Stammer

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